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| Der Fall Rajasthan/Indien |
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Eine Bestandsaufnahme, März 2008
Jugendliche ohne Atemschutz bei staubintensiven Arbeiten im Steinbruch
Trotz zunehmender Berichte wissen viele Menschen nicht, dass preiswerte Natursteine eine Reise um die halbe Welt hinter sich haben ehe sie in unseren Gärten, Fußgängerzonen oder auf dem Friedhof landen. Mehrere Studien belegen inzwischen verheerende Arbeitsbedingungen in chinesischen und indischen Steinbrüchen. Rajasthan, der größte indische Bundesstaat, gilt als die Region des Bergbaus und der Mineraliengewinnung. Es gibt dort dutzende Arten von Mineralien, darunter Marmor und Sandstein, die in Tausenden von Minen und Steinbrüchen aus der Erde befördert werden. Von den 65 Millionen Einwohnern Rajasthans arbeiten schätzungsweise zwei Millionen in Minen und Steinbrüchen; die meisten davon gehören zu den Kastenlosen, den Ureinwohnern oder zum ärmsten Teil der Bevölkerung, 20 Prozent sind Frauen und Kinder. Die meisten der in den Minen Beschäftigten schädigen ihre Gesundheit und riskieren ihr Leben, während sie unter prekären Verhältnissen leiden. Sie sind allen Arten von Arbeitsunfällen und -krankheiten ausgesetzt, vor allem Erkrankungen der Atemwege wie Asthma, Tuberkulose und der unheilbaren Silikose, die zur Lungenschädigung und zu frühzeitigem Tod führt. Weil sie keine Alternative haben und sonst hungern müssten, sind diese Menschen gezwungen, unter derartigen Bedingungen zu arbeiten.
Laxmi ist 40 Jahre alt, arbeitet seit 22 Jahren im Steinbruch und ist unheilbar krank
Diese Zustände bestehen, obwohl der India Mines Act von 1952 eine ganze Reihe spezieller Regelungen vorsieht wie z.B. verbindliche Sicherheitsvorschriften, Arbeitszeiten, Mindestlöhne und die Versorgung mit Trinkwasser und andere Einrichtungen. Außerdem geben die Rajasthan Silicosis Rules von 1955 detaillierte Anweisungen, wie die Entstehung von Krankheiten vermieden wird und wie diejenigen zu entschädigen sind, die bereits erkrankt sind. Selbst die Indische Verfassung, stellt in Art. 21 fest, dass der Entzug von Nahrung und Wasser eine Menschenrechtsverletzung darstellt. Alle genannten Regelungen und Grundsätze wurden bis jetzt weitgehend außer Acht gelassen. Daher leiden zahlreiche Steinbrucharbeiter und ihre Familien an Hunger und Unterernährung. Das Recht auf Nahrung der Steinbrucharbeiter wird verletzt, doch die Regierung veranlasst weder die Steinbruchbesitzer, sich an die Gesetze zu halten noch wird sie - wenn sie nicht eingehalten werden - selbst tätig und sorgt so auch nicht für ausreichenden Zugang zu Nahrung, wie sie dies eigentlich gemäß dem Internationalen Pakt für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte tun müsste. Anfang 2007 besuchten 3 FIAN-Mitglieder aus München ihre Partner-NGO's in Rajasthan, Indien, GRAVIS (www.gravis.org.in) und HEDCON (www.hedcon.org). Zur Unterstützung ihrer Forderungen bringen wir das Thema an die Öffentlichkeit und appellieren an die verantwortlichen Stellen, dafür zu sorgen, dass die Rajasthan Silicosis Rules (1955) und der Mines Act (1952) ordnungsgemäß umgesetzt werden, damit den Arbeitern ermöglicht wird, sich selbst zu ernähren und für ihre Gesundheit zu sorgen. Außerdem fordern wir Entschädigungen für die von Berufskrankheiten betroffenen Arbeitern und deren Angehörigen. Ende 2007 schickte FIAN deswegen die Aufforderung, sich zu dem Fall zu äußern, an zahlreiche verantwortliche Regierungsstellen in Rajasthan und insbesondere an die State's Human Rights Commission. Der Gouverneur von Rajasthan antwortete bereits und versprach, die Angelegenheit weiter zu verfolgen.
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