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Zugang zu natürlichen Ressourcen Drucken

 

Indische Bauern, Foto: Mohan Dhamotharan
Indische Bauern, Foto: Mohan Dhamotharan
Im Rahmen der globalen Hungerbekämpfung dominiert die Debatte über notwendige Steigerungen der Produktionsmengen. Der allgemeine Rechtskommentar zum Recht auf Nahrung stellt jedoch klar, dass „die Wurzel des Problems von Hunger und Mangelernährung nicht einem Mangel an Nahrungsmitteln, sondern im mangelndem Zugang großer Teile der Weltbevölkerung zu den verfügbaren Nahrungsmitteln [liegt].“ Für die Durchsetzung des Menschenrechts auf Nahrung ist daher die Frage der Verteilungsgerechtigkeit und des Zugangs zu ausreichender Nahrung zentral: „Das Recht auf angemessene Ernährung ist dann verwirklicht, wenn jeder Mann, jede Frau und jedes Kind, einzeln oder gemeinsam mit anderen, jederzeit physisch und wirtschaftlich Zugang zu angemessener Ernährung oder Mitteln zu ihrer Beschaffung hat“ (Allgemeiner Rechtskommentar zum Recht auf Nahrung, 1999).

Im ländlichen Raum wird dieser Zugang insbesondere durch den direkten Zugang zu Land, zu Saatgut und zu Wasser gewährleistet. In vielen Ländern des Südens sind 70-80 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Auch wenn der Anbau von Grundnahrungsmitteln für die Selbstversorgung heute in den wenigsten Fällen alleine die Ernährung der Familien sichert, so ist die Selbstversorgung doch die zentrale Säule der Ernährungsstrategie. Zusätzlich bildet die bäuerliche Landwirtschaft bis heute das Rückgrat der nationalen Ernährungssicherung in den Ländern des globalen Südens.

Ugandischer Maisbauer
Ugandischer Maisbauer

Diese Fakten stehen jedoch in scharfem Widerspruch zur vorherrschenden Politik der letzten Jahrzehnte. Die bäuerliche Landwirtschaft und Nomadenwirtschaft wurden einseitig diskriminiert und gleichzeitig die Rahmenbedingen für eine Industrialisierung der Landwirtschaft kontinuierlich verbessert (bspw. Handelsliberalisierung, Saatgutpolitik).

Heute leben 3 von 4 Hungernden im ländlichen Raum, die meisten von ihnen sind Kleinbauern und -bäuerinnen. Viele haben zu wenig Land um ausreichend Nahrung anzubauen, haben den Zugang zum Wald verloren, in dem sie Früchte sammeln und wurden abgedrängt in Gebiete mit schlechten Böden oder langen Trockenzeiten. Gewaltsame Vertreibung ist tägliche Realität in vielen Ländern des Südens. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich staatliche Förderungen für diese Gruppen zusammengestrichen wurden. Viele Bauern und Bäuerinnen sind so gezwungen in die Slums der Städte abwandern.



Der Zugang zu natürlichen Ressourcen ist daher eine Kernelement des Rechts auf Nahrung. Alle 160 Vertragsstaatsstaaten des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte sind diesbezüglich auf drei Ebenen, den so genannten Staatenpflichten, zur Durchsetzung des Rechts auf Nahrung verpflichtet.

  1. Respektieren: Sie dürfen vorhandenen Zugang zu Land oder Wasser nicht durch ihre eigene Politik, ihr eigenes Handeln, beschneiden.
  2. Schützen: Sie müssen Menschen schützen vor Aktivitäten dritter, wie beispielsweise private Firmen, wenn diese die den Zugang zu natürlichen Ressourcen einschränken oder verhindern.
  3. Gewährleisten: Sie müssen aktive, mit dem Maximum der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel, eine Verbesserung des Zugangs zu natürlichen Ressourcen für ländliche Armutsgruppen durchsetzen.

 

Indische Frauen bei der Ernte, Foto: Mohan Dhamotharan
Indische Frauen bei der Ernte, Foto: Mohan Dhamotharan
FIAN unterstütz die Forderungen ländlicher Gruppen und Bauernorganisationen, die sich für einen Schutz und die Stärkung einer nachhaltigen bäuerlichen Landwirtschaft einsetzen. Unser Arbeitsschwerpunkt ist die direkte Unterstützung von Menschen, deren Recht auf Nahrung durch Vertreibung und Verlust des Zugangs zu natürlichen Ressourcen, insbesondere Land, verletzt wird. Wir dokumentieren konkrete Fälle, unterstützen Forderungen der Betroffenen durch Eilaktionen und leisten Hilfestellung, wenn Betroffene ihre Fälle bei den Vereinten Nationen vorbringen. Wir engagieren uns insbesondere zu folgenden Themen:

  • Agrarreformen: Zugang zu Land aktiv schaffen.
  • Landnahme (Land Grabbing): Der globale Ausverkauf von Ackerland.
  • Agrartreibstoffe: Land für den Energiehunger des Nordens.
  • Das Recht auf Wasser, ein Menschenrecht.
  • Klima: Klimawandel und Landwirtschaft.



 Download Access to Land and Productive Resources

Die Broschüre fasst neben dem Recht auf Nahrung die wichtigsten völkerrechtlichen Schriften zusammen, die Fragen des Zugangs zu natürlichen Ressourcen verbindlich regeln. Autorin: Sofia Monsalve. Engl. 2008.

 Download Allgemeine Bemerkung Nr. 12

des Ausschusses für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte über das Recht auf angemessene Ernährung. Sachfragen im Zusammenhang mit der Durchführung des internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte. Genf 1999

 Download Abschlusserklärung Rural Life

Eine von über 60 internationalen zivilgesellschaftlichen Organisationen getragene Erklärung an die Europäische Union und die einzelnen Mitgliedsstaaten zu dem Themen ländliche Entwicklung und Entwicklungszusammenarbeit. Engl. Berlin 2007.

 Download Abschlusserklärung der FAO-Konferenz zu Agrarreformen und ländlicher Entwicklung

Die so genannte ICARRD-Erklärung wurde von 94 Staaten unterzeichnet und ist eines der wichtigsten staatliche Dokumente, auf das sich die Zivilgesellschaft in Fragen von Landreformen und ländlicher Entwicklung bezieht. Die Umsetzung der Erklärung ist eine wichtiges Ziel von FIAN. Engl. Porto Alegre 2006.

 Download Schöne neue Landwirtschaft

Eine Analyse der Weltbankpolitik im Bereich Landwirtschaft. Sie wurde von mehreren NRO unter dem Dach des Forums Umwelt & Entwicklung erstellt. Bonn 2007.

 Download Strategien zur Globalen Landwirtschaft

Synopse 7 aktueller Konzepte zur ländlichen Entwicklung und Landwirtschaft; Forum Umwelt und Entwicklung, 2009

 

 

 


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