(Hamburg, Köln.) Die Menschenrechtsorganisation FIAN und Fair Trade Stadt Hamburg kritisieren die Verleihung des Gründerpreises der Hamburger Sparkasse und des Hamburger Abendblatts an Michael R. Neumann, dem ehemaliger Unternehmenschef der Hamburger Neumann Kaffee Gruppe. Unter seiner Führung der Neumann Kaffee Gruppe ist 2001 die Kaweri Coffee Plantation in Uganda aufgebaut worden, für die 4.000 Menschen gewaltsam vertrieben worden sind. Bis heute sind die Betroffen nicht angemessen entschädigt worden.
In der Begründung sowie weiteren Berichterstattung wird ganz besonders Bezug auf das soziale Engagement von Herrn Neumann genommen. FIAN und Fair Trade Stadt Hamburg setzen sich für einen differenzierteres Bild ein: Vom 18.-21. August 2001 hatte das ugandische Militär vier Dörfer auf dem Areal zerstört, das die ugandische Regierung der Kaweri Coffee Plantation Ltd, dem Tochterunternehmen der Neumann Gruppe, für 99 Jahre verpachtet hat. Nur drei Tage später wurde dieses Land von Staatspräsident Museveni öffentlich an die Kaweri Coffee Plantation übergeben. Die ehemaligen Bewohner:innen der vier Dörfer wurden zuvor weder umgesiedelt noch entschädigt. 401 der betroffenen Familien haben im August 2002 die ugandische Regierung und die Kaweri Coffee Plantation Ltd. in Uganda verklagt. Der Gerichtsprozess ist nach 24 Jahren noch immer nicht abgeschlossen.
„Die Neumann Gruppe hat bis heute keine Verantwortung für die brutale Vertreibung und die gravierenden Folgen übernommen, obwohl ein Unternehmensvertreter laut Aussagen der Betroffenen anwesend war, als ugandische Behörden den Dorfbewohner:innen mit Vertreibung drohten,“ kritisiert Gertrud Falk von FIAN. „Darüber hinaus weigert sie sich bis heute, die Betroffenen zu entschädigen. Angesichts dieser Missachtung von Menschenrechten ist die Aussage, dass Neumann sich um die wirtschaftlichen Probleme von 15 Millionen Kleinbauernfamilien sorgte, ein Hohn für die Vertriebenen,“ ergänzt Falk. FIAN unterstützt die Vertriebenen der Kaweri Coffee Plantation seit 2003.
Lukas Tödte von Fair Trade Stadt Hamburg (Mobile Bildung e.V.) sagt: „Hamburg ist Fairtrade-Town und hat sich der Aufarbeitung seiner kolonialen Geschichte und ihrer Kontinuitäten verpflichtet. Dazu gehört ein kritischer Blick auf globale Lieferketten, gerade bei Waren wie Kaffee: Niedriglöhne, Ausbeutung und Vertreibung gehören zur Realität, während Gewinne anderswo liegen. Umso widersprüchlicher ist die Ehrung für Michael R. Neumanns Lebenswerk, während die Betroffenen in Mubende bis heute um Gerechtigkeit kämpfen.“
Pressekontakt:
Gertrud Falk, FIAN Deutschland, g.falk@fian.de, Tel.: 0221-47449115
Lukas Tödte, Fair Trade Stadt Hamburg
Vom 19.-27. September werden zwei Vertreter*innen der Vertriebenen der Kaweri Coffee Plantation zu Veranstaltungen nach Deutschland kommen. Am 20. September um 14 Uhr ist eine Veranstaltung im Besenbinderhof in Hamburg geplant. Interviews können ebenfalls bei Gertrud Falk angefragt werden.
