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FIAN DeutschlandMit Menschenrechten gegen den Hunger
11.06.2014

FIAN-Hintergrundanalyse zum Massaker von Marina Kue (Curuguaty, Paraguay)

Anlässlich des zweiten Jahrestages des Massakers von Marina Kue (Curuguaty) veröffentlicht FIAN eine Hintergrundanalyse dieser schweren Menschenrechtsverletzungen. Am 15. Juni 2012 wurden bei der gewaltsamen Beendigung einer Landbesetzung durch die Polizei im Bezirk Curuguaty elf Bauern und sechs Polizisten getötet. Doch die paraguayische Staatsanwaltschaft hat einseitig Bauern und Bäuerinnen für die Tötung der Polizisten angeklagt. Dieser Fall erfuhr große internationale Aufmerksamkeit, da er als Vorwand genutzt wurde, um den damaligen Präsidenten Fernando Lugo seines Amtes zu entheben.


FIAN fordert nun von der paraguayischen Regierung die Sicherstellung eines fairen Gerichtsprozesses. Der Prozess soll am 26. Juni beginnen. Am kommenden Sonntag werden in der paraguayischen Hauptstadt Asuncion sowie am Ort des Geschehens im Norden Paraguays Gedenkfeiern abgehalten. Damit wollen die betroffenen Familien, sozialen Bewegungen und Menschenrechtsorganisationen an die Opfer dieses tragischen Tags erinnern. Die Veranstaltungen sind zugleich ein Zeichen gegen die herrschende Ungerechtigkeit in Paraguay.

Mehrfach haben Menschenrechtsorganisationen und Familienangehörige der Opfer die Parteilichkeit der Staatsanwaltschaft beklagt. Der am 8. Dezember 2012 bei der Staatsanwaltschaft eingereichten Beschwerde wegen Hinrichtungen, Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen, wurde jedoch von staatlicher Seite nie nachgegangen.

„Der Fall Marina Kue steht exemplarisch für die ungerechte Verteilung von Ressourcen, Straflosigkeit und Menschenrechtsverletzungen gegen die ländliche Bevölkerung in Paraguay,“ erläutert FIAN-Referentin Regine Kretschmer. Die hohe Landkonzentration und der fehlende Zugang zu Land zum Anbau von Nahrungsmitteln, bilden den Hintergrund dieses Konflikts. Paraguay gehört weltweit zu den Ländern mit der höchsten Landkonzentration: 2,6 % der Bevölkerung kontrollieren 85,5% des Agrarlandes, während 91,4 % der Bevölkerung nur 6% des Agrarlandes zur Verfügung stehen. Diese Landkonzentration steht im engen Zusammenhang mit der international steigenden Nachfrage nach Agrarprodukten wie Soja, Mais und Zuckerrohr.

„Es ist zu erwarten“, so Kretschmer, „dass, aufgrund dieser internationalen Nachfrage, die Landkonzentration in den nächsten Jahren noch zunehmen wird. Damit werden sich die sozialen Konflikte weiter verschärfen.“ Seit dem Massaker haben Menschenrechtsverletzungen gegen BäuerInnen und indigene Gruppen zugenommen. So kam es zu mehreren gewaltsamen Räumungen von kleinbäuerlichen und indigenen Dörfern. Einige dieser Fälle wurden im März dieses Jahres der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte in Washington vorgetragen.

FIAN wird den am 26. Juni beginnenden Prozess kritisch begleiten.

Das Factsheet finden Sie hier zum Download oder zum Bestellen.

You can find the English and the Spanish version of the fact sheet attached.

 

 

 

Dateien:
2014-5_FS_Paraguay_Cruguaty_ENG.pdf1.0 M
2014-5_FS_Paraguay_Cruguaty_ESP.pdf734 K