FIAN Deutschland
FIAN DeutschlandMit Menschenrechten gegen den Hunger
29.11.2016

Pressemitteilung: FIAN-Recherche zur Ernährungssituation im nepalesisch-indischen Grenzgebiet


Während der Überschwemmung sind viele Dörfer isoliert. Als einziges Transportmittel bleiben privat geführte Fähren.

Die Menschenrechtsorganisation FIAN schließt heute eine Erkundungsreise zu möglichen Verletzungen des Rechts auf Nahrung in Nepal ab. Das internationale Team aus Nepal, Indien, Norwegen und Deutschland hat während der einwöchigen Reise in den nepalesischen Distrikten Banke und Kanchanpur, in der Grenzregion zu Indien, Fälle von möglichen Menschenrechtsverletzungen untersucht. Hierbei standen die Auswirkungen des Dudhwa Nationalparks sowie der Bau des Laxmanpur Staudamms – beide in Indien – im Zentrum. Sowohl auf nepalesischer wie auch auf indischer Seite ist die lokale Bevölkerung von den Auswirkungen betroffen. Die Ergebnisse wurden im Anschluss in einem gemeinsamen Workshop mit nepalesischen Parlamentariern, zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie der lokalen Distriktverwaltung diskutiert.

Der Dudhwa Nationalpark befindet sich im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh in der Grenzregion zu Nepal, wurde 1977 als Nationalpark ausgerufen und ist für seine Bestände an Tigern bekannt. Seit Jahren erreichen FIAN Berichte der lokalen Bevölkerung aus den nepalesischen Regionen Punarbaws (Punarbas) und Baisebucha (Baisi Bichawa) über Ernteverluste aufgrund durchziehender Elefantengruppen. Während der Erkundungsreise des FIAN-Teams konnten diese Berichte im direkten Gespräche mit der betroffenen Bevölkerung bestätigt werden. Die Dorfgemeinschaften haben mit Unterstützung von FIAN sogenannte „Struggle Committees“ gegründet. Diese berichteten bei einem Besuch am 22. November, dass die Elefanten im Zeitraum von Juli bis November in Gruppen von 40-50 Tieren durch die Felder und Dörfer ziehen. Vor ungefähr einem Monat ist eine Frau ums Leben gekommen, die von Elefanten zu Tode getrampelt wurde. Von den Ernteverlusten aus den Zuckerrohr- und Getreidefeldern sind in den beiden Regionen ca. 20.000 Menschen betroffen. „Wir erwarten von der Regierung eine bessere Unterstützung gegen die Bedrohung und eine angemessene Entschädigung für die Ernteverluste“, so einer der Betroffenen im Gespräch mit FIAN.

Neben dem Dudhwa Nationalpark hat sich das internationale Team ebenfalls mit dem Laxmanpur Staudamm im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh sowie dem sogenannten Kalkalwa Zufluss auseinander gesetzt. Beide Bauprojekte, die von der indischen Regierung zwischen 1985 und 2000 errichtet wurden, führen insbesondere während der dreimonatigen Monsunzeit von Mai bis Juli zu erheblichen Überschwemmungen in den Regionen Holiya, Betahani, Mattaiya, Fattepur, Bankatti und Gangapur des nepalesischen Bundesstaates Banke. Von diesen Überschwemmungen sind jedes Jahr ca. 30.000 Menschen in ihrer Lebensgrundlage bedroht. Die nepalesische Regierung hat Maßnahmen zur Evakuierung der betroffenen Bevölkerung ergriffen. „Die betroffene Bevölkerung berichtet, dass die Notversorgung mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln unzureichend ist und hat nach den Überschwemmungen erhebliche Probleme, eine angemessene Entschädigung für den Verlust ihrer Ernte und ihrer Felder von staatlicher Seite zu bekommen“, so Stefan Eikenbusch, der für FIAN Deutschland an der Erkundungsmission teilgenommen hat.

In beiden Fällen ist die betroffene Bevölkerung für ihre Ernährungsgrundlage überwiegend von der Landwirtschaft abhängig und daher in ihrer Ernährungsgrundlage bedroht. Sowie Indien als auch Nepal haben den internationalen Pakt zu wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechten (ICESCR) unterzeichnet und sind verpflichtet, das Menschenrecht auf Nahrung zu respektieren, zu schützen und zu gewährleisten. Die Distriktbehörden Nepals haben sich während des Workshops offen gezeigt und Unterstützung der lokalen Bevölkerung signalisiert. FIAN wird in den kommenden Wochen den Dialog mit den Regierungen Nepals und Indiens weiterführen um das Recht auf Nahrung der betroffenen Bevölkerung sicherzustellen.

Rund 25 Prozent der Bevölkerung Nepals lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Schätzungen zufolge leidet ungefähr jede/r Sechste der ca. 30 Millionen EinwohnerInnen an Unterernährung, mindestens 20 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren sind fehl- oder mangelernährt. Laut dem Welternährungsprogramm herrschte bereits vor den zerstörerischen Erdbeben vom April und Mai 2015 in 40 der 75 Distrikten anhaltende Nahrungsunsicherheit. Seither hat sich die Situation weiter verschärft.

Die Recherchereise wurde von der „Stiftung Umverteilen“ in Berlin mitfinanziert. Wir bedanken uns für die Unterstützung.

Kontakt: Stefan Eikenbusch: s.eikenbusch(ät)posteo.de

 

 
1. Foto: Außerhalb der Monsunzeit ist der Fluss Rapti nur ein kleines Rinnsal
2. Foto: Konferenz in Nepalgunj