FIAN Deutschland
FIAN DeutschlandMit Menschenrechten gegen den Hunger
07.12.2017

Right Livelihood Award: FIAN beglückwünscht Colin Gonsalves


Colin Gonsalves bei der Preisverleihung


Gonsalves mit FIAN Geschäftsführer Philipp Mimkes

Colin Gonsalves (65), Anwalt am Obersten Gerichtshof von Indien und langjähriger Partner von FIAN, hat in dieser Woche in Stockholm den „Alternativen Nobelpreis“ erhalten. Gonsalves hatte mit einer Musterklage beim indischen Verfassungsgerichtshof die Anerkennung des "Rechts auf Nahrung" erstritten. Eine Folge hiervon sind ein freies Schulessen für Millionen armer Kinder sowie Nahrungsmittelhilfen für Schwangere und Heranwachsende.

Im Gespräch mit FIAN bezeichnete Gonsalves sein Heimatland als „Hungerzentrale“ der Welt. Die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre sei katastrophal: „Hunger und Mangelernährung sind weit verbreitet: 700 Millionen Menschen gehen jeden Tag hungrig ins Bett. Die Hälfte aller Frauen und Kinder sind unterernährt und häufig im Wachstum eingeschränkt“, so Gonsalves. Hungertote, Armut und Analphabetismus würden die indische Regierung jedoch nicht kümmern, da die marginalisierten Bevölkerungsschichten für das Wachstum der Wirtschaft unerheblich seien. Das sowieso unzureichende soziale Netz würde zugunsten von Mittel- und Oberschicht weiter beschnitten.

Gonsalves dankte FIAN für die Unterstützung: „FIAN ist eine sehr mächtige Kraft im Kampf gegen Hunger, nicht nur in Deutschland sondern auch bei uns in Indien. Besonders in Bezug auf Landreformen und Unterstützung von Kleinbauern müssen wir weiter kooperieren!“. Scharfe Kritik äußerte er an den Geschäften der multinationalen Agrarkonzerne: „Bayer ist ein schrecklicher Feind, der in Indien weit niedrigere Sicherheitsstandards anwendet als in Europa. Auch der Zusammenschluss mit Monsanto ist schrecklich. Firmen wie Monsanto müssen nicht schärfer reguliert, sondern schlichtweg geschlossen werden. Und in Bezug auf Monsanto ist dies noch meine mildeste Forderung!“, so Colin Gonsalves.

Einen flammenden Appell richtet Colin Gonsalves an nachfolgende Generationen: „Junge Menschen müssen für eine gerechtere Welt kämpfen. Gebt einen Teil Eures Lebens für sozialen Fortschritt! Geht in die Slums, geht in die armen ländlichen Gebiete, lernt das Leben von Minderheiten, Arbeitern und Indigenen kennen. Die Ausgegrenzten können uns Mitgliedern der Mittelklasse unendlich viel beibringen!“.

Nach Abschluss seines Jura-Studiums hatte Colin Gonsalves 1983 das Human Rights Law Network (HRLN) gegründet. Das Netzwerk hat heute Büros in 23 indischen Bundesstaaten. Weitere Preisträger des Alternativen Nobelpreises in diesem Jahr sind die aserbaidschanische Journalistin Khadija Ismayilova, die äthiopische Aktivistin für Behindertenrechte Yetnebersh Nigussie und der US-Umweltanwalt Robert Bilott.