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FIAN Deutschland
FIAN DeutschlandMit Menschenrechten gegen den Hunger
14.01.2020

Wie Mikrokredite zu Überschuldung und Landverlusten führen

In Kambodscha floriert der Mikrofinanzsektor wie in kaum einem anderen Land, auch dank der langjährigen Unterstützung durch Entwicklungsbanken wie der deutschen KfW.


Im aktuellen FoodFirst-Magazin berichtet FIAN über die Schattenseiten von Mikrofinanzkrediten am Beispiel Kambodscha. Mehr als 2,4 Millionen Kambodschaner*innen – bei einer Gesamtbevölkerung von 16 Mio. – stehen bei Mikrofinanzinstituten (MFI) in der Kreide. Die gesamte Schuldenlast beträgt rund 7 Milliarden Euro. Der Markt wächst rapide und hat bei jährlichen Zinsen von bis zu 30 % satte Gewinne für MFI und die internationale Finanzindustrie abgeworfen.

Aum Sam Ath von der lokalen Meschenrechtsorganisation LICADHO -langjähriger Partner von FIAN- spricht in einem Interview mit dem ARD-Weltspiegel von einem "pervertierten" System der Mikrokredite in seinem Heimatland. Viele Darlehensnehmer seien den Finanzhaien ausgeliefert, meint der Menschenrechtler. "Viele Bankberater fragen Kunden überhaupt nicht nach einem Business-Plan", so Aum Sam Ath. Auch kritisiert er dass Bankenvertreter den Leuten einen Mikrokredit regelrecht "aufschwatzen", nur um ihre Provision zu kassieren. Hinzu kommt, dass ungebildete Kreditnehmer die Kreditverträge oft nicht verstehen. Einmal unterschrieben ist der erste Schritt in die Schuldenfalle getan.

Die Schattenseite dieser Entwicklung: über ein Viertel der Kreditnehmer*innen in Kambodscha ist hoffnungslos überschuldet. Die Mehrzahl musste ihre Landtitel als Sicherheit hinterlegen. eine Studie von LICADHO sowie Sahmakum Teang Tnaut (STT ) zeigt nun auf, was geschehen kann, wenn es zu Zahlungsrückständen kommt: Bauern werden gezwungen, ihr Land zu verkaufen; Kinderarbeit nimmt zu; ganze Familien verfallen in Schuldknechtschaft. Eine funktionierende staatliche Kontrolle, um Überschuldung und Missbrauch im Falle von Zahlungsunfähigkeit zu verhindern, existiert nicht. Geberinstitutionen wie die KfW setzen auf eine freiwillige Selbstregulierung der Branche, doch das reicht nicht aus. FIAN fordert die KfW und das Entwicklungsministerium BMZ dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um Menschenrechtsverletzungen durch Überschuldung zu verhindern.  

Sehen Sie hierzu eine aktuelle ARD-Weltspiegel Reportage zu Mikrokrediten in Kambodscha und hören Sie sich das Interview mit einem Forscher zu Mikrokrediten in dem Podcast an.

Ein Probeheft des FoodFirst-Magazins können Sie hier kostenlos anfordern: Info(at)Fian.de