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FIAN Deutschland
FIAN DeutschlandMit Menschenrechten gegen den Hunger
28.04.2020

Ukraine in der „grauen Zone“: abgeschnitten von Buslinien, Lebensmitteln und Rentenzahlungen

Überall auf der Welt gilt COVID19 für ältere Menschen als besonders riskant. In der sogenannten grauen Zone der Ukraine ist diese Situation noch weiter verschärft.

Ukraine in der „grauen Zone“: abgeschnitten von Buslinien, Lebensmitteln und Rentenzahlungen

Die graue Zone, das ist der Streifen auf beiden Seiten der sogenannten Kontaktlinie, die in der Ukraine das von der Regierung kontrollierte Gebiet von den Separatistengebieten in Donezk und Lugansk trennt.
Hier gibt es einen überproportionalen Anteil älterer Menschen über 60 Jahren, der in isolierten Dörfern über 40 % ausmachen kann. Auch der Konflikt hat hierzu beigetragen, denn oftmals sind es die Älteren, die geblieben sind: sei es, weil sie hofften, Haus und Hof bewahren zu können. Sei es, weil sie einfach keine Chance sahen, sich anderswo ein neues Leben aufbauen zu können. Beiderseits der Linie leben die Menschen in Ungewissheit wie es weitergehen wird. Der Krieg hat niemals aufgehört und in unvorhersehbaren Abständen kommt es zu Beschuss über die Linie hinweg. Übergangspunkt in das Separatistengebiet
Dann kamen die Corona-Pandemie und die Beschränkungen des öffentlichen Lebens hinzu. Für nun insgesamt 107 Dörfer auf der Regierungsseite der Kontaktlinie bedeutet dies, dass es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, mit denen größere Orte erreichbar wären (vor Corona betraf dies 36 Dörfer). Damit sind ca. 130.000 Menschen gleichermaßen abgeschnitten vom Zugang zu Gesundheitseinrichtungen wie auch zu Bargeldautomaten und Lebensmittelläden, die geschlossen oder nicht mehr erreichbar sind.
Weiterhin wurden die wenigen Übergangspunkte zwischen Regierungs- und Separatistengebiet geschlossen. Damit verlieren ca. 300.000 ältere Menschen, die jenseits der Kontaktlinie im Separatistengebiet leben, den Zugang zu ihren Rentenzahlungen und damit häufig ihrer einzigen Einnahmequelle.
In der Ukraine hat fast jeder alte Mensch mindestens eine Vorerkrankung. Es wird mit verheerenden Todeszahlen gerechnet, sollte die Pandemie sich gerade unter den älteren Menschen der grauen Zone ausbreiten. Die Versorgungs- und Ernährungskrise hat die graue Zone und die Schwächsten der Gesellschaft längst erreicht. Haus mit Einschusslöchern

Ältere Menschen (über 60):
• In der Ukraine: 23%
• In den Provinzen Donetsk und Lugansk: 36%
• In isolierten Dörfern der grauen Zone: 41%
• Italien zum Vergleich 29%