Berlin wurde Mitte Januar 2026 erneut zum Zentrum des Protests für eine gerechtere Landwirtschaftspolitik. Unter dem Motto „Haltung zeigen! Für eine zukunftsfähige Landwirtschaft weltweit“ setzte FIAN gemeinsam mit Tausenden Protestierenden ein kraftvolles Zeichen gegen aktuelle politische Fehlentwicklungen und für das Menschenrecht auf Nahrung.
Musik und Genuss vor der „Wir haben es satt!“- Demo
Das Wochenende startete bereits am Freitagabend, den 16. Januar, mit der traditionellen Schnippeldisco. In einer Verbindung aus politischem Engagement, Musik und Gemeinschaft wurde gespendetes Gemüse zerkleinert, um daraus eine große Suppe für die Demonstrierenden am Folgetag zu kochen. FIAN unterstützte dieses Format, das von Slow Food Youth, der Romero Initiative (CIR), INKOTA, Aktion Agrar und Fläming Kitchen getragen wird, in diesem Jahr aktiv.

Übergabe der Protestnote am GFFA
Am Samstag, den 17. Januar, stand der Vormittag ganz im Zeichen des politischen Widerstands gegen die aktuelle Agrarpolitik. Zum 16. Mal in Folge zogen Bäuerinnen und Bauern mit ihren Traktoren vor das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA).
FIAN war maßgeblich an der Ausarbeitung der diesjährigen Protestnote beteiligt und begleitete deren Übergabe an die Parlamentarische Staatssekretärin Martina Engelhardt-Kopf.
Besonders kritisch bewerteten FIAN und seine Partnerorganisationen die Entscheidung des Ministeriums, die junge Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) nicht zum GFFA-Junglandwirt*innenforum einzuladen. Damit blieb ein entscheidender Akteur von den Diskussionen über die Zukunft unserer Ernährungssysteme ausgeschlossen.
Zu den zentralen Forderungen von FIAN und seinen Partnern zählten:
- Die Demokratisierung der internationalen Wasser-Governance,
- die Verankerung des Rechts auf Wasser und Nahrung im GFFA-Abschlussbericht,
- sowie die Bindung von EU-Agrargeldern an soziale und ökologische Leistungen.
„Wir haben es satt!“: 8.000 Menschen auf der Straße
Den Höhepunkt des Protestwochenendes bildete die große „Wir haben es satt!“-Demonstration, die am Samstagmittag am Brandenburger Tor startete. Gemeinsam mit rund 8.000 Demonstrierenden und über 60 Organisationen forderte FIAN von der Bundesregierung eine gemeinwohlorientierte und zukunftsfähige Agrarpolitik.
Im Zentrum der Forderungen standen faire Preise für Erzeugerinnen und Verbraucherinnen, den Schutz bäuerlicher Betriebe sowie eine Agrarpolitik, die sich an sozialen und ökologischen Zielen orientiert. Ein zentrales Thema war zudem die Kritik am EU-MERCOSUR-Abkommen, das Preisdruck auf Bäuerinnen erhöht und Umweltzerstörung im Globalen Süden vorantreibt. FIAN war dieses Jahr mit einem eigenen Stand vertreten.
Da das Jahr 2026 von den Vereinten Nationen als Internationales Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen wurde, setzte die Kundgebung ein besonderes Zeichen: Bei der Kundgebung sprachen in diesem Jahr daher nur Frauen sowie Nonbinäre-, Trans- und Agender-Personen.
Workshop zur Agrarwende: Eine Million Unterschriften als Ziel
Nach der Demonstration verlagerte sich das Geschehen zum Fest der Agrarwende in der Heinrich-Böll-Stiftung. In einer Atmosphäre voller Motivation und Austausch wurden Strategien für ein Ernährungssystem entwickelt, das Menschen und Umwelt über Profite stellt.
Zusammen mit Tina Marie Jahn (INKOTA) stellte Jan Dreier (FIAN), beim 5‑Minuten‑Talk das neue Positionspapier „Mit Agrarökologie in die Zukunft“ vor, in dem über 30 Organisationen einen politischen Kurswechsel hin zu agrarökologischen Ernährungssystemen fordern. Sie betonen, dass Agrarökologie nur wirkt, wenn breite Beteiligung und klare gesetzliche Rahmenbedingungen zusammenkommen, und leiten daraus zentrale Forderungen ab: mehr politische Priorität, bessere Mitbestimmungsmöglichkeiten und deutlich mehr öffentliche Förderung für gerechte und widerstandsfähige Ernährungssysteme.
Im Anschluss leitete Jan Dreier, Referent für das Recht auf Nahrung und Agrarökologie bei FIAN, gemeinsam mit Vertreter*innen von Wir haben es satt!, Aktion gegen Hunger, CI Romero und Good Food Good Farming einen Workshop zur Europäischen Bürgerinitiative (ECI) „Nahrung ist ein Menschenrecht für alle“. Das Ziel für 2026: eine Million Unterschriften sammeln, um den Schutz des Rechts auf Nahrung und eine gerechte Agrarwende europaweit politisch zu verankern. Ein wesentlicher Teil des Workshops diente auch der strukturellen Vernetzung. Gemeinsam wurde diskutiert, welche Organisationen im Laufe des Jahres Kapazitäten zur Unterstützung der Initiative einbringen können. Darüber hinaus bot der Workshop einen Rahmen zur Koordinierung geplanter Aktionen und zur effizienten Bündelung vorhandener Ressourcen, um die gemeinsamen Ziele wirkungsvoll voranzubringen.
Das Wochenende hat einmal mehr gezeigt, dass der Einsatz für eine gerechte Agrarwende viele Menschen bewegt –und dass Veränderung nur durch gemeinsames Handeln möglich ist.

