Auf Einladung der Juristin Francisca Vieira Paz reiste eine FIAN-Delegation im Dezember in den Bundesstaat Maranhão im Nordosten Brasiliens. Dort haben wir die Lebensrealitäten der kleinbäuerlichen Gemeinden kennengelernt, die unter dem Einfluss des Agrarbusiness leiden. Die Reise organisierten wir zusammen mit dem Kölner Verein PEPP e.V. und mit Unterstützung der Stadt Köln.
Der Bundestaat Maranhão umfasst drei Biome: den Amazonas-Regenwald im Westen, die trockene Caatinga-Vegetation im Osten und den Cerrado im Süden. Letzteres ist eine grüne Savanne von zentraler Bedeutung für Wasserversorgung, Biodiversität und die Lebensgrundlagen traditioneller sowie kleinbäuerlicher Gemeinden. Zugleich ist der Cerrado eine der am stärksten landwirtschaftlich geprägten Regionen Brasiliens – und damit ein Brennpunkt von Landkonflikten. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Soja-Expansion. Vor Ort konnten wir deren Auswirkungen beobachten: riesige Flächen werden abgeholzt und in Monokulturen umgewandelt. Verknüpft ist die Zerstörung des Cerrado mit zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, darunter vielfach Vertreibungen. „Was mir im Moment fehlt, ist Land. Wegen des Konflikts. Es fehlt uns Land, um weiter anbauen zu können”, erzählt Ivonete Gomes da Silva aus der Gemeinde Gado Bravinho.

Das Dorf besteht aus 28 Familien. Ivonete und ihr Mann wurden nachts bedroht und misshandelt, mehrere Häuser wurden zerstört und die Männer unrechtmäßig verhaftet. Ähnliches hörten wir immer wieder. Kleinbäuerliche, afrobrasilianische (Quilombolas) und indigene Gemeinschaften genießen zwar Schutz unter der brasilianischen Verfassung. Sie werden jedoch von multinationalen Firmen unter Druck gesetzt und von der Regierung vernachlässigt. „Die Justiz und die Polizei wissen, was hier passiert. Mein Herz sagt mir, dass es keine Gerechtigkeit gibt“, sagt Ivonete.

„Es gibt kein Entrinnen“
Auch das Sprühen von Pestiziden aus der Luft wird für Vertreibungen eingesetzt. Dies führt zur Vergiftung der Böden und zu Wasserknappheit. „Es gibt kein Entrinnen. Betroffen sind die Dorfgemeinschaften und die Natur“, sagt Maria de Lourdes aus der Gemeinde Brejao. Gefährdet wird auch der Zugang zu gesunden Lebensmitteln und damit ihre Ernährungssouveränität.
Zugleich haben wir viel Widerstand gesehen: wir konnten an Netzwerktreffen teilnehmen, haben gesehen, wie sich die Menschen zusammenschließen, Zugang zu Märkten schaffen und ihre Produktionsmittel teilen. Zentral hierbei sind Zusammenhalt und Organisation. Trotz der Bedrohungen bleiben die Gemeinden somit starke Hüter*innen des Cerrados.
Die Anwältin Francisca Viera Paz und ihr Team begleiten all diese Gruppen sehr engagiert. Ihr Kampf um die Würde und Rechte der Menschen, ihre Zuwendung und ihre große Kraft haben uns begeistert. Wir sind dankbar, dass wir mit ihr unterwegs sein konnten.
Auf unserer Reise haben wir die Folgen globaler Lieferketten intensiv miterlebt – für die Natur und vor allem für die Menschen. Wir brauchen als Zivilgesellschaft internationale Allianzen, um Veränderungen zu bewirken.
Beatriz Algayer Schneider, Freya Borger, Marita Zaremba-Lenzen und Johannes Holz reisten nach Maranhão.

