von Stephanie A. Janke
Europäische Naturschutzorganisationen wie African Parks erobern mit jedem weiteren Hektar Schutzgebiet Macht und Kontrolle über den afrikanischen Kontinent zurück. Mit dem Argument, gegen „organisierte Wilderei“ vorzugehen, rüsten die Naturparks auf. Leidtragende sind lokale Bauern und Indigene.
African Parks ist mit 23 Naturparks in 13 afrikanischen Ländern eine der mächtigsten europäischen Artenschutzorganisationen. Das Privatunternehmen lockte im Jahr 2024 rund eine Viertelmillion Besucher*innen an. Lokale Gemeinschaften haben wie bereits zu Kolonialzeiten zumeist keinen oder nur einen sehr eingeschränkten Zugang zu den mittlerweile 20 Millionen Hektar großen Schutzgebieten, obwohl sie für Nahrung und andere Lebensbedürfnisse auf die Ressourcen der Parks angewiesen sind.
Militarisierung von Naturschutz
Wie kommt eine ausländische Organisation zu so viel Einfluss? Anfang der 2000er Jahre, als viele afrikanische Staaten Schwierigkeiten hatten, ihre Schutzgebiete zu finanzieren, wurden langfristige Managementverträge ausgehandelt. Den Naturschutzorganisationen wurde die operative, administrative und finanzielle Kontrolle übertragen. Die Parks bleiben formell Eigentum des jeweiligen Staates. Faktisch aber werden Entscheidungsbefugnisse übertragen, die weit in die Souveränität der Länder hineinreichen. Zum Beispiel werden staatliche Kompetenzen wie das Recht auf Festnahme und das Gewaltmonopol abgetreten.

Diese Rechte werden vielfach missbraucht. Die Fälle von Menschenrechtsverletzungen gegen lokale Bauern und Indigene durch bewaffnete Parkhüter häufen sich. Die Suche nach Feuerholz, Heilkräutern oder das Erlegen eines Tieres zum Eigenbedarf wird mit kriminellen Aktivitäten organisierter Wilderei gleichgesetzt.
Exemplarisch dafür stehen schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen wie Folter, Vergewaltigungen und Zwangsvertreibungen gegen Baka Indigene im Kongo, die im heutigen Odzala-Kokoua-Nationalpark lebten. African Parks hat die Vorwürfe nach einer internen Untersuchung zwar eingestanden. Es bleibt aber die Frage, inwieweit mit der systematischen Bewaffnung und militärischen Ausbildung der Parkhüter die strukturellen Bedingungen für Repressalien gegen die einheimische Bevölkerung geschaffen wurden.
Finanzierung bedeutet Verantwortung
Westliche Naturschutzakteure finanzieren die Ausbildung und Ausrüstung der Ranger mit und beteiligen sich an der Schaffung von Institutionen und Gesetzen zu Strafverfolgungsmaßnahmen. Daher sind sie mitverantwortlich für Menschenrechtsverletzungen und die Kriminalisierung der lokalen Bevölkerung.
Die EU betätigte sich in den letzten Jahren mit 150 Millionen Euro als größter öffentlicher Geldgeber für African Parks. Auch deutsche Entwicklungsakteure wie die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (giz) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie NGOs und Stiftungen wie der WWF und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt fördern Naturschutzprojekte. Die finanziellen Zuwendungen bewirken weitreichende Mitsprache- und Entscheidungsrechte, die sich massiv auf die Naturschutzpolitik Afrikas und den Umgang mit Menschenrechten auswirken. Diese Fremdbestimmung reduziert sich jedoch nicht nur auf African Parks, sondern breitet sich auf dem gesamten Kontinent aus. Erkennbar werden dadurch neokoloniale Machtstrukturen, die nach außen überwunden schienen, jedoch im modernen Naturschutz in gewandelter Form wieder aufleben.

