Köln, Göttingen. Die Menschenrechtsorganisationen FIAN und Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordern, ein Klimaprojekt von Volkswagen in Tansania nicht zu zertifizieren. Hintergrund sind mehr als 100 Beschwerden, die überwiegend aus Maasai-Gemeinden stammen. Eine Auswertung der Beschwerden zeigt laut den Organisationen, dass die lokale Bevölkerung nicht ausreichend über das Projekt informiert wurde und es umfangreichen Widerstand gibt.
Volkswagen finanziert in Tansania ein sogenanntes Kohlenstoff-Projekt. Durch eine grundlegende Umgestaltung der traditionellen Weidewirtschaft der Maasai soll eine erhöhte Speicherung von CO2 in den Wurzeln der Steppengräser und im Boden erreicht werden.
Die daraus entstehenden Zertifikate sollen Volkswagens Klimabilanz aufbessern. Eine Studie der Maasai International Solidarity Alliance (MISA), zu der auch FIAN und die GfbV gehören, dokumentiert die Gefahren dieses Projekts für die Maasai.
Das Projekt soll eine Fläche von einer Million Hektar Weideland umfassen. „Lokal angepasste, traditionelle Strukturen des Weidemanagements sollen durch strikte, realitätsferne Vorgaben ersetzt werden. Dass Volkswagen über Art und Weise der Weidewirtschaft der Maasai bestimmen will, ist absurd und verletzt grundlegende Menschenrechte der betroffenen Gemeinschaften“, kritisieren die Organisationen.

Aktuell wird das Projekt durch VERRA, den weltweit größten privaten Zertifizierer solcher Klimaschutzansätze, überprüft. Zum Start des Zertifizierungsprozesses gab es eine etwa einmonatige Phase zur Einreichung von Beschwerden. Dies wurde den Betroffenen jedoch nur zufällig bekannt. „Dass die Betroffenen nicht aktiv über die Online-Beschwerdemöglichkeit informiert wurden, zeigt, wie problematisch das ganze Projekt aufgesetzt ist. Dass trotzdem in wenigen Tagen über 100 Beschwerden – vor allem aus Maasai-Gemeinden – eingingen, ist ein deutliches Signal der Kritik“, betonen FIAN und die GfbV. Am 13. Mai 2026 hatte VERRA die eingereichten Kritikpunkte veröffentlicht.
Als Teil des Maasai-Solidaritätsnetzwerkes MISA haben auch FIAN und die GfbV zusammen mit Survival International und Misereor eine umfangreiche Beschwerdeschrift eingereicht. Darin wird VERRA aufgefordert, das Projekt nicht zu zertifizieren.
Bereits 2025 hatten die Maasai im Rahmen des MISA-Netzwerkes gefordert, das Projekt auszusetzen, um eine angemessene Diskussion zu den Auswirkungen eines derart tief in die Lebensweise der Maasai eingreifenden Projektes zu ermöglichen. Bislang hat Volkswagen diese Aufforderung ignoriert.
Pressekontakte:
Roman Herre, FIAN Deutschland,
01520-7067302
Laura Mahler, Referentin für Subsahara-Afrika bei der GfbV
03051 / 695825-3
Weitere Informationen:
Kostenlos den MISA Newsletter abonnieren (erscheint jedes Quartal)

