von Almudena Abascal und Marian Henn
Staatliche Entwicklungsbanken haben hohe Summen in den Arbaro Fund investiert. Der Private-Equity-Fonds mit Sitz in Luxemburg investiert in „nachhaltige Forstwirtschaftsprojekte“ in Lateinamerika und Afrika. Firmen wie Apple erwerben hierüber Gutschriften für CO2-Emissionen. Neue Recherchen zeigen, dass in Eukalyptusplantagen der Firma giftige Agrochemikalien eingesetzt werden, ohne gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstände und Informationspflichten einzuhalten. FIAN hat bereits vor Jahren auf die Anwendung problematischer Pestizide auf Arbaro-Plantagen hingewiesen.
Das Journalistennetzwerk Climate Tracker hat eine Recherche zum Pestizideinsatz in Paraguay veröffentlicht (1). Besonders betroffen ist beispielsweise die Gemeinde Cañada Santa Rosa im Osten des Landes. Die Schule Santa Rosa de Lima liegt nur 30 Meter von den Eukalyptusplantagen der Firma Forestal Apepu entfernt – ein klarer Verstoß gegen das paraguayische Pflanzenschutzgesetz, das einen Mindestabstand von 100 Metern zu Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen vorschreibt.
Auch schreibt das Gesetz vor, dass die Bevölkerung vor der Anwendung von Agrochemikalien informiert werden muss. Laut dem Direktor der Schule, in der rund 60 Kinder unterrichtet werden, ist dies nie geschehen. Auch andere Bewohner*innen der Gemeinde geben an, nie über den Einsatz der Chemikalien informiert worden zu sein. Unter den eingesetzten Substanzen befindet sich neben großen Mengen Glyphosat auch Fipronil, ein in der EU verbotenes Insektizid, das potenziell als krebserregend gilt und Bienenpopulationen massiv schädigt.
Ein juristisches Gutachten im Rahmen der Recherche bestätigt, dass die Vorschriften des Pflanzenschutzgesetzes auch für forstwirtschaftliche Plantagen gelten. Damit wären „die Praktiken von Forestal Apepu und damit indirekt auch die Investitionen des Arbaro Funds nicht nur umwelt- und gesundheitsgefährdend, sondern rechtswidrig“, so der Bericht.
Risiken bekannt
Zwar firmiert der Arbaro Fund als Privatunternehmen. Jedoch stammt ein Großteil seiner Finanzierung aus öffentlichen Mitteln. So investierte die KfW-Tochter DEG knapp acht Millionen Euro. Auch das Bundesumweltministerium ist über die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) beteiligt: Über die Restoration Seed Capital Facility (RSCF) – ein internationales Programm zur Wiederaufforstung – leitet die IKI Kredite und Zuschüsse in den Fonds weiter.
Zudem investierte der UN-Klimafonds (Green Climate Fund, GCF) 25 Millionen US-Dollar in Arbaro – obwohl zuvor 133 Organisationen weltweit vor den sozialen und ökologischen Auswirkungen gewarnt hatten. Auch die IKI wurde 2021 von FIAN auf den Einsatz gesundheits- und umweltschädlicher Pestizide wie Fipronil und Glyphosat auf Arbaro-Farmen hingewiesen.
Staatliche Kontrollen sind in Paraguay besonders lückenhaft: Der UN-Menschenrechtsausschuss gab dem Staat 2016 gar die Schuld an schweren Pestizidvergiftungen durch den Einsatz verbotener Agrarchemikalien (2).

Der lange Schatten von PAYCO
Arbaro ist eng mit dem luxemburgischen Agrarunternehmen PAYCO verbunden. 2020 und 2021 verkaufte PAYCO zehn seiner dreizehn Eukalyptus-Farmen an Forestal San Pedro und Forestal Apepú, beide vollständig im Besitz des Arbaro-Fonds. Sowohl die Plantagen von PAYCO als auch von Arbaro werden von der deutschen Firma UNIQUE verwaltet.
PAYCO steht immer wieder wegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in der Kritik: Ein FIAN-Bericht von 2023 legt Hinweise auf Verletzungen von Landrechten Indigener und kleinbäuerlicher Gemeinden im Umfeld der PAYCO-Plantagen offen. Außerdem hat PAYCO nachweislich mehrere Tausend Hektar Wald gerodet bzw. Farmen übernommen, die kurz zuvor entwaldet wurden.
Im Juni 2021 klagte FIAN gemeinsam mit dem ECCHR auf Einsicht der Umwelt- und Sozialaktionspläne, die PAYCO mit der DEG -Tochter der KFW – vereinbart hat. Die DEG hält seit 2013 knapp 16 Prozent der Anteile an PAYCO. Obwohl staatlich mitfinanzierte Projekte menschenrechtskonform und öffentlich zugänglich sein müssen, lehnten DEG und KfW entsprechende Einsichtsanfragen – auch von Bundestagsabgeordneten – wiederholt ab. Das VG Frankfurt entschied im November 2022 im Verfahren zugunsten von FIAN; die KfW legte hiergegen Berufung ein. Das Verfahren gegen die DEG wurde noch nicht eröffnet.
Die Recherche erfolgte durch Maximiliano Manzoni für Consenso und Climate Tracker Latinoamérica, mit Unterstützung vom Pulitzer Center.
(1) https://climatetrackerlatam.org/historias/agroquimicos-el-problema-detras-del-boom-forestal-para
(2) Cáceres et al. v. Paraguay CCPR/C/126/D/2751/2016
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