Am 6. Februar 2026 verabschiedete das Brüsseler Regionalparlament die Resolution zur Einrichtung einer integrierten Politik zur Stärkung des Rechts auf Nahrung und zugunsten der Anwendung eines sozialen Sicherungssystems in Bezug auf Ernährung.
Mit dieser Resolution schafft das Regionalparlament Aufmerksamkeit für das Thema auf politischer Ebene und fordert die Verbesserung des Zugangs zu Fördermitteln für Projekte, die sich für den Zugang zu bezahlbaren, qualitativ hochwertigen, gesunden, fair produzierten und nachhaltigen Lebensmitten einsetzen. Dabei stehen insbesondere Projekte im Fokus, die die Einrichtung eines sozialen Sicherungssystems mit Bezug auf Lebensmittel für alle fordern und entsprechende Pilotprojekte durchführen. Darüber hinaus fordert das Regionalparlament mit seiner Resolution die belgische Bundesregierung zur Durchführung einer Machbarkeitsstudie zur Einrichtung eines sozialen Sicherungssystems in Bezug auf Nahrung auf nationaler Ebene durch, wobei sowohl auf haushaltspolitische als auch auf sozioökonomische und gesundheitspolitische Aspekte eingegangen werden soll. Regionale und nationale Einrichtungen sollen zudem in Bezug auf Unterstützungsprogramme für Personen im Gesundheits- und Landwirtschaftssektor Nachhaltigkeits- und Qualitätskriterien stärker beachten und einen gerechten Zugang gewährleiten sowie die Bildungsarbeit zu gesunder und nachhaltiger Ernährung insbesondere für Kinder und Jugendliche fördern.
Ziel der Resolution ist die Förderung des universellen Zugangs zu hochwertigen Lebensmitteln, die Unterstützung der Produzent*innen und eine Stärkung demokratischer Rechte. Zudem soll die politische Diskussion zum Thema Ernährung auf belgischer und europäischer Ebene angeregt werden.
Zum Erfolg dieser Resolution hat das Collectif de réflexion et d’action sur une Sécurité Sociale de l’Alimentation (CréaSSA), das im Mai 2021 von FIAN Belgien ins Leben gerufen wurde, maßgeblich beigetragen.
Ein System der sozialen Sicherung in Bezug auf Ernährung
Das soziale Sicherungssystem in Bezug auf Ernährung soll nach den Forderungen des CréaSSA als achter Zweig des Sozialversicherungssystems in Belgien eingerichtet werden und dazu dienen, das verfügbare Budget für Lebensmittel pro Haushalt zu erhöhen, eine Umstellung des Ernährungssystems zu ermöglichen und die politischen Entscheidungen zum Thema Ernährung zu demokratisieren. Das Modell sieht eine einkommensbasierte Einzahlung in ein steuerbasiertes System ein, aus dem die Mittel dann wieder gerecht verteilt werden, etwa durch die Vergabe von Lebensmittelgutscheinen oder Guthaben. Projekte wie La CLASS setzen diese Idee bereits auf lokaler Ebene um. In diesem Projekt zahlen die Mitglieder monatlich nach ihren finanziellen Möglichkeiten in eine gemeinsame Kasse ein und erhalten unabhängig von der Höhe ihres Beitrags ein Guthaben von 150 Euro zum Erwerb von Lebensmitteln in kooperierenden Geschäften vor Ort.

