
Frauen erzeugen weltweit die Hälfte aller Nahrungsmittel. Trotzdem werden Landwirtinnen systematisch benachteiligt und ihre Leistungen abgewertet. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat 2026 zum Jahr der Landwirtinnen ausgerufen. Das Landwirtschaftsministerium greift das Motto auf. Der Beitrag von Frauen für die Ernährungssicherheit soll sichtbar gemacht werden. Denn sie arbeiten weltweit in der gesamten Lebensmittelkette – von der Landwirtschaft bis zum Handel.
Doch in allen Sektoren werden sie strukturell ausgegrenzt. Zum Beispiel werden ihnen durchschnittlich nur kleinere Agrarflächen mit geringerer Bodenfruchtbarkeit zugestanden als Männern. Auch in Deutschland sind Frauen in der Landwirtschaft benachteiligt: 35 Prozent der Landwirt:innen sind Frauen, doch sie leiten nur elf Prozent der Betriebe. Trotz dieser Diskriminierungen erzeugen Frauen weltweit rund die Hälfte der Nahrungsmittel, in wirtschaftlich armen Staaten sogar bis zu 80 Prozent.
Auch in der Landwirtschaft scheitert die Verringerung von Geschlechterungerechtigkeiten
Diese Fakten sind ebenso wenig neu wie die sehr allgemein gehaltenen Lösungsvorschläge: Verringerung von Geschlechterungerechtigkeit in den Bereichen Beschäftigung, Bildung und Einkommen sowie gezielte Entwicklungsmaßnahmen. Den Staaten will die FAO dies mit volkswirtschaftlichem Nutzen schmackhaft machen: Durch Geschlechtergerechtigkeit könne das das globale Bruttoinlandprodukt um eine Billion US-Dollar erhöht werden.
Diese Lösungsvorschläge blenden jedoch vorherrschende Geschlechter-Stereotypen und Machtungleichheit in der Landwirtschaft aus. Produktivität, finanzielle und technische Kompetenzen werden Männern zugesprochen. Damit wird männliche Dominanz in politischen Strukturen legitimiert. Fähigkeiten von Frauen werden dagegen auf reproduktive Tätigkeiten verengt, die gesellschaftspolitisch unterbewertet werden. Ihr traditionelles Wissen über Saatgut, Böden und nachhaltige Landwirtschaft wird abgewertet.
Dies ist auch in Deutschland immer noch die Regel. Formale Bildung ändert daran wenig. Ohne Rechte, Repräsentanz und Zugang zu Ressourcen – den Grundpfeilern feministischer Politik – werden Frauen in der Landwirtschaft auch weiterhin unsichtbar bleiben. Um das zu ändern, muss die Bundesregierung zusammen mit Landwirtinnen eine Strategie für feministische Agrarpolitik erarbeiten und konsequent umsetzen.

