Olivier van Beemen – niederländischer Investigativ-Journalist – verlas am 17. März im EineWeltHaus München Passagen aus seinem preisgekrönten Buch „Im Namen der Tiere“. Er war der Einladung des Trägerkreis EineWeltHaus München e.V. in Kooperation mit Nord Süd Forum München e.V. und der Münchner FIAN-Gruppe gefolgt und konnte im Rahmen einer multimedialen Lesung den mehr als 40 Teilnehmenden, darunter auch die FIAN-Regionalgruppe Rhein-Ruhr-Wupper, sehr anschaulich seine Recherchen zu „African Parks“, einer der mächtigsten Artenschutzorganisationen in Afrika darstellen.

Der Erhalt und die Stabilisierung von teils stark gefährdeten Tierpopulationen haben unbestritten „universellen Wert für die Menschheit“ und das Gleichgewicht der Natur. Die Strategie von African Parks, die in mittlerweile 24 Naturparks im Auftrag von 13 afrikanischen Regierungen Naturschutz betreibt, führt jedoch unter anderem dazu, dass afrikanische Dorfbewohner*innen oft keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu diesen Naturschutzgebieten haben. Dies gefährdet ihre Existenzgrundlage, da viele für Nahrung und andere Lebensbedürfnisse auf die Ressourcen des Parks angewiesen sind.
Die Organisation verfolgt ein Modell des delegierten Managements, bei dem ihr die nationale Regierung in der Regel die vollständige Verantwortung über einen Park – und damit auch Kompetenzen wie das Recht auf Festnahme und das Gewaltmonopol – abtritt.
Die 2003 von einem niederländischen Unternehmer gegründete und auch heute von südafrikanischen und europäischen Geschäftsleuten geleitete Organisation wird zum Großteil von westlichen Regierungen – darunter auch die EU und Deutschland – sowie prominenten Figuren und Milliardären aus aller Welt finanziert, die damit einen Anteil und Mitverantwortung an den Menschenrechtsverletzungen tragen.
In der anschließenden Diskussion mit dem Autor ging es vor allem um die Interessen, die hinter dem Engagement von African Parks stecken. Da auch Parks in Ländern errichtet werden, die nur geringe touristische Besucherzahlen aufweisen, scheinen finanzielle Anreize nicht das einzige Motiv für das Engagement der Organisation darzustellen.
Van Beemen erkennt in diesem Zusammenhang neokoloniale Muster, bei denen es um Kontrolle sowie Verfügungs- und Entscheidungsgewalt von Landflächen geht. Er zieht in seinem Buch deutlich den Vergleich zu Bismarcks Kolonialpolitik in Afrika im 19. Jahrhundert – und auch die meisten Teilnehmenden kamen zu dem Schluss, dass es sich bei dem von weißen Managern entworfenen Modell von „African Parks“ um eine Form von Neokolonialismus handelt.
Die Münchner FIAN-Gruppe hatte bei der Veranstaltung die Gelegenheit, in der Ankündigung sowie anhand eines Info-Tisches auf die FIAN-Arbeit zu den Maasai in Tansania hinzuweisen, die durch Vertreibungen im Namen von Tourismus und „Naturschutz“ existenziell bedroht sind.
Ein Interview mit Olivier van Beemen zu seinen African-Parks-Recherchen sowie die FIAN-Fallarbeit zu den Maasai sind auch Schwerpunktthemen der nächsten einstündigen Sendung der Münchner FIAN-Gruppe auf Radio LORA München am 30.03.2026 (im Anschluss auch zu finden auf https://www.fian.de/wer-wir-sind/fian-lokalgruppen-arbeitskreise/lokalgruppe-muenchen/).

